
Wie ist die Burg aufgebaut? Was weiß man über einzelne Gebäude?
Betrachtet man heute die Burgruine, so ist die ursprüngliche Ausdehnung der Anlage noch gut zu erkennen. Als ein langgestrecktes Rechteck mit unregelmäßigem Umriß läßt sich die Kernburg beschreiben. Auf einer Länge von 95 Metern und einer Breite von 42 Metern ragen Reste eines Turms und verschiedener Gebäude auf, ihre frühere Lage und Größe lassen sich noch gut nachvollziehen.
Der Fund zweier römischer Münzen auf dem Burgplateau deutet darauf hin, daß möglicherweise bereits in spätantiker Zeit an dieser Stelle eine Befestigung existierte. Eine erste mittelalterliche Burganlage wurde wahrscheinlich um 1100 errichtet. Die heute noch sichtbaren Baureste stammen hauptsächlich aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Burg erweitert und ausgebaut. 1680/81 zerstörten französische Truppen Schloß Veldenz. Von 1807 bis 1995 wurde die Ruine durch die Familie Richter erhalten; danach erwarb sie die Familie Haufs-Brusberg, die umfangreiche Sanierungsarbeiten vornimmt.
Das alte Burgtor und der Rittersaal
Fast vollständig abgetragen ist eine Vorburg, die durch einen monumentalen, in den Fels geschlagenen Halsgraben zur Angriffsseite hin geschützt wird. Sie schützte früher die Zufahrt, die auf der Westseite des Bergrückens verlief und die wohl ursprünglich zum hangseitigen unteren Tor an der Südwestecke der Burg führte. Der anschließende steile Aufgang zum Burghof wird zum Tal hin von einem kleineren Gebäude und einem unterkellerten Palas begrenzt. In dessen oberem Geschoß findet man heute einen Rittersaal aus dem späten 19. Jahrhundert. Ein Rundturm begrenzte früher die Südwestecke des Schlosses. In seiner Südflanke hatte man ein Verließ ohne Zugang ausgespart. Dort fand man bei Aufräumarbeiten 1893 das Skelett eines etwa 30 Jahre alten Mannes (hier mehr).
Der jüngere obere Zugang, die Torburg
Das obere Tor, das von einem Turm überbaut ist, wurde vermutlich erst beim späteren Ausbau der Anlage angelegt. Um von dort ins Innere der Burg gelangen zu können, mußte zunächst ein Stollen in den Fels getrieben werden. Er wurde im Gegensatz zum älteren Aufgang flach gestaltet, so daß ihn auch Wagen oder Karren ohne Schwierigkeiten nutzen konnten. Vor der Torburg befindet sich ein ca. 4 m breiter, in den Fels geschlagener Halsgraben.
Die Westseite mit der Zisterne
Zwei kleinere Wohnbauten, die heute nahezu vollständig abgetragen sind, liegen nordwestlich des Burghofes auf einem etwas erhöhten Felsplateau. Das größere der beiden Gebäude besaß einen vorgelagerten Treppenturm. In diesem Teil der Anlage befindet sich auch eine 8 m tiefe Zisterne. Sie fing das anfallende Regenwasser von den Dächern auf, das für die Wasserversorgung der Burg wichtig war.
Der Nordteil der Anlage – gab es Wunder in der Kapelle?
Ein weiterer aus dem Fels herausgearbeiteter Gang führt vom Burghof zum rückwärtigen Teil der Anlage. Dort standen zwei mehrgeschossige Wohnbauten, die über die ehemaligen Keller miteinander verbunden sind; ihre Außenmauern sind zu einem Großteil erhalten geblieben. Vermutlich befand sich in einem Obergeschoß des östlichen Gebäudes eine Kapelle. Der Mönch Caesarius von Heisterbach erwähnte um 1230 eine solche Burgkapelle, in der man eine wundertätige Muttergottes mit Jesuskind habe finden können. Die unscheinbare Holzfigur soll ein Kind gerettet haben, das von einem Wolf verschleppt wurde. Seine verzweifelte Mutter hatte der Marienfigur das Jesuskind entrissen und gab es erst zurück, als ihr eigenes Kind wieder da war – so die Legende.
Am 14. Juli 1456 wurde erneut eine Kapelle erwähnt: Pfalzgraf Johann, ein Bruder des Burgherrn Ludwig, sollte auf Burg Veldenz zum Trierer Erzbischof gewählt werden, er konnte sich später allerdings nicht durchsetzen. Die in diesem Zusammenhang genannte Kapelle ist vielleicht dieselbe, die bereits im Wunderbericht von 1230 genannt wird. Allerdings ist lediglich überliefert, daß die Wahlversammlung, bei der nur eine Minderheit des Trierer Domkapitels anwesend war, in der großen Kammer neben dem Kapelleneingang stattfand. Wenn sich die Kapelle also im beschriebenen nördlichen Teil der Burg befand, wie zu vermuten ist, dürfte dort auch das Hauptgebäude gestanden haben, das wohl als einziges mit einem größeren Saal ausgestattet war.
Das obere Plateau an der Ostseite – früher Standort des Bergfrieds
Der nördliche Teil der Burg war über einen Treppenturm mit dem hochgelegenen südöstlichen Felsplateau verbunden, auf dem ursprünglich ein weiterer Wohnbau stand. Daran grenzte der rechteckige Bergfried, den man heute nicht mehr als solchen erkennen kann, weil 1917 die Nordmauer des Turms eingestürzt ist.
Zum Alter der Gebäude
In den erhaltenen Urkunden sind leider keine Baudaten überliefert, die sich direkt auf den heutigen Gebäudebestand beziehen. Gewände und Schmuckformen, anhand derer man Datierungen vornehmen könnte, gibt es an den erhaltenen Bauteilen nicht. Es lassen sich nur wenige Aussagen zur baulichen Entwicklung der Burg treffen: Die erste, wahrscheinlich um das Jahr 1100 entstandene Anlage wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verändert oder weitgehend neu errichtet. Es ist nämlich überliefert, daß im Jahr 1288 Nicolaus Vogt von Hunolstein auf seinen Veldenzer Burgsitz und den dort von ihm errichteten Neubau verzichtete – zugunsten seines Lehensherrn, des Grafen von Veldenz. Gesichert ist allerdings das Erbauungsdatum des sogenannten »Richterhauses« mit seiner »aula episcopalis«, dem bischöflichen (Thron-)Saal mit dem in den Fels gehauenen Keller. Ein Kragbalken des ehemaligen Kaminhutes wurde dendrochronologisch vom Landesmuseum Trier auf das zweite Viertel des 14. Jahrhunderts bestimmt. Dies paßt in die Regierungszeit des bedeutenden Grafen Georg I. von Veldenz und Geroldseck. Weiter ausgebaut wurde die Anlage wahrscheinlich im 14. und 15. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammt der Keller unter dem Rittersaal, der aufgrund seiner Gewölbeform vermutlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden ist. Das 1597 genannte »Moskovitenhäuslein«, das der Veldenzer Amtmann wiederaufbauen lassen sollte, ist eventuell ein Vorgänger des Burgwarthäuschens an der Zufahrt, das aus dem 18. Jahrhundert stammt. Der erwähnte Rittersaal schließlich wurde 1896 nach Plänen des Düsseldorfer Regierungsrates Otto Lieber errichtet.
Das dendrochronologische Gutachten
Das Wachstum eines Baumes ist in jedem Jahr – abhängig von der Witterung – verschieden und zeichnet sich im Holz in Form von unterschiedlich breiten Jahresringen ab. Viele Jahresringe ergeben ein charakteristisches Muster und lassen deshalb Rückschlüsse auf die Zeit zu, aus der das Holz stammt. Hierbei helfen computergestützte Vergleiche. Dieses Verfahren zur Datierung (z. B. von Gebäuden anhand der darin gefundenen Hölzer) heißt Dendrochronologie.
Ein Stück Balken aus der Giebelwand des Palas von Schloß Veldenz wurde im dendrochronologischen Labor des Rheinischen Landesmuseums Trier analysiert. Das Ergebnis: Die 58 vorhandenen Jahresringe lassen mit einer Sicherheit von 99,2 % darauf schließen, daß dieses Stück Holz von 1260–1317 gewachsen ist. Der Baum wurde nach 1325, wahrscheinlich im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts, gefällt und verarbeitet.
Wanted
Es ist bisher kein einziges Foto der Burg aus der Zeit vor 1917 gefunden worden – ein solches Bild wird gesucht!


